Echnaton
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(Song # 6 coming soon)

(Achenaton / Akhenaten)

Rebell oder Ketzer?

18. Dynastie: Über 1000 Jahre verehrten und huldigten die Ägypter ihren Reichsgott »Amun« mit all seinen Nebengöttern. Diese Götter gaben ihnen das lebenspendende Licht, den Nil mit seinem Hochwasser, und verwandelten ihr Land in eine fruchtbare Oase. Die Menschen lebten ein einer Welt voller Reichtum, Wohlstand und Zufriedenheit. Es herrschte Frieden im Reich, bis das Unvorhergesehene - ja sogar Unfassbare für die Ägypter eintraf: Pharao Echnaton setzte die alten Götter ab und betete nur noch einen Gott an: »Aton«

EchnatonGeboren wurde dieser Pharao um 1370 v. Chr. als Amenhotep IV. = "Amun ist zufrieden". Mit ihm begann eine revolutionäre Epoche, die Amarna-Zeit, die einmalig in der Geschichte des alten Ägypten ist. In den ersten Jahren seiner Herrschaft behielt der Pharao diesen Namen bei. Aber Amenhoteps uneingeschränkte Verehrung galt Aton, der Sonnenscheibe. So beschloss er, die gesamte Götterwelt auf den Kopf zu stellen und verordnete eine neue Religion. Er setzte Aton als alleinigen Gott ein und stürzte das Land in ein Chaos. Im 5. Regierungsjahr änderte er seinen Namen in Echnaton ("Der Aton wohl gefällt"). Zu Ehren dieses Gottes verließ er die damalige Hauptstadt Theben, die dem Reichsgott Amun geweiht war und baute die Stadt »Achet-Aton«, heute besser bekannt als Amarna.

Echnaton, der große Denker war von seltsamer Gestalt. Er hatte ein schmales Gesicht, ein langes Kinn, Überbiss, einen dicken Leib, breite Hüften und kurze Beine. Wegen seiner langen Nase und der abstehenden Ohren behaupteten die Priester, er sei vom Gott Amun verflucht. Er durfte deshalb den Tempel nicht betreten und nie an offiziellen Feierlichkeiten teilnehmen. War das der Auslöser für seinen Hass auf Amun und die alten Götter?
Möglich, dass Echnaton aufgrund von jahrzehntelanger Inzucht so entstellt oder krank war. Doch seine Mutter »Teje« war eine Bürgerliche und sein Vater »Amenhotep III.« war Sohn einer Nebenfrau des Pharaos, also nicht dessen Hauptgemahlin.
Umstritten ist, warum ausgerechnet das ungeliebte "hässliche Entlein" zum Pharao gekrönt wurde
. Sicher ist nur, dass Thutmosis als erstgeborener Sohn von Pharao Amenhotep III. als Thronfolger vorgesehen war. Wegen seines frühen Todes übernahm wohl auf Drängen von Königin und Mutter Teje sein jüngerer Bruder Amenhotep IV. (Echnaton) das Amt des Königs.

Inzucht:

Geradezu manisch seien die Vorfahren Tut-Ench-Amuns auf die "Reinhaltung des Blutes" erpicht gewesen: Sie wollten ihr Geschlecht durch reinstes Blut veredeln.

Sicher ist, dass sich die verhängnisvollen sexuellen Vorlieben der 18. Dynastie unter Echnaton noch verstärkten. Den Inschriften zufolge heiratete er gleich drei seiner Töchter. Die fatale Praxis der Inzucht aber griff weiter um sich. Klein "Tut" musste mit seiner Thronbesteigung seine Halbschwester Anchesenamun heiraten. Er war 8, sie war 15. Was für eine Wahl! Das Mädchen war ja vorher schon mit "Papa" Pharao Echnaton verheiratet gewesen.

Karnak, Sitz des Reichsgottes Amun:

Die Reichspriester sind wohlhabend und einflussreich. Ihre Macht ist Echnaton ein Dorn im Auge, denn keine Entscheidung wird ohne sie getroffen. In ihrem Tempel wohnt der Reichsgott »Amun«, der König der Götter. Ihn muss der junge Pharao vom Sockel stoßen um seine Macht zu stärken. Im 4. Jahr seiner Herrschaft gibt er den Befehl die Tempel des Reichsgottes Amun zu schließen - für immer! An seine Stelle soll »Aton« treten, denn - so Echnaton - "Kein einziger ist seinesgleichen".
Echnaton enteignet die Hohepriester Amuns für seine alleinige politische Macht. Er entzieht ihnen alle Aufgaben und lässt die Tempel des Reichsgottes stürmen. Seine Handlanger beschlagnahmen Tempelschätze, plündern Opfergaben und zerstören die Kultikonen Amuns. Arbeiter und Bildhauer werden entsendet, um in den Tempeln des ganzen Landes, Bilder und Namen anderer Götter auszumeißeln. Verzweifelt versuchen die Priester, Heiligtümer der "alten" Götter zu retten und zu vergraben. Dabei riskieren sie alles, denn Widerstand gegen Echnaton hat furchtbare Folgen: Jene, die versuchen, das Andenken an den Reichsgott Amun zu wahren, werden von den Anhängern des Pharao verschleppt und gerichtet.
Von nun an soll nur noch ein Gott über Ägypten herrschen: Aton, der "Gott des gleißenden Sonnenlichts".
Für das Volk Ägyptens ein ungeheurliches Sakrileg.
Aber Echnaton geht noch weiter: Das gesamte Leben der Ägypter soll nur um Aton kreisen. Direkt neben dem gestürzten Amun-Tempel lässt Echnaton ein riesiges Heiligtum für seinen Gott errichten: Den Aton-Tempel. Ohne Dächer, damit das lebensspendende Sonnenlicht (Strahlen des Aton) alles durchfluten kann.

Lobeshymne an Aton:

Du erschaffst das Land nach Deinem Willen, die Menschen, alle Herden, alles Vieh und all das, was auf dieser Erde ist. Du hauchst allen, die Du geschaffen hast Atem ein, sorgst für die Bedürfnisse von Mensch und Tier. Dem Kind im Mutterleib schenkst Du das Leben. Die Erde liegt in Deiner gütigen Hand.”

Doch Echnaton will weg von Theben, das noch ganz den Geist Amuns atmet. Weg von der Stadt, deren Bewohner ihn und seinen Gott hassen. 400 Kilometer nördlich von Theben auf fast unberührtem Gebiet wird er eine neue Hauptstadt gründen: »Achet-Aton«. Hier soll seine gigantische Vision Wirklichkeit werden.
Ausgrabungen ergaben jedoch, dass die Bevölkerung die alte Götterordnung vorzog und sich nur nach außen hin dieser Neuerung unterwarf. Heute hat Echnaton den Beinamen "Ketzerkönig", da er sich lieber der Religion und der Anbetung Atons widmete, als sich um die Bedürfnisse seines Landes und des Volkes zu kümmern.
Echnaton starb um 1334 v. Chr. vermutlich in seinem 17. Herrschaftsjahr im Alter von etwa 36 Jahren. Sein großzügiges Grab ließ er in den Felsen bei Achet Aton schlagen. Bei seiner Entdeckung war es aber leer und auch die Mumie war verschollen.
Doch es gibt konkrete Hinweise, dass es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, bei Grab KV55 (Kings' Valley no. 55) einer 1907 im Tal der Könige gefundenen Mumie um Echnaton handelt. Aber die Geschichte des Grabes bleibt rätselhaft und umstritten.

Nofretete („die Schöne ist gekommen“)

NofreteteAus der Ehe mit »Nofretete« gingen sechs Kinder - alles Töchter - hervor (zumindest funktionierte dies bei ihm recht ordentlich). Echnaton heiratete mindestens zwei von ihnen. Sein einziger Sohn ward ihm jedoch nur mit seiner Nebenfrau »Kija« vergönnt. Dieser Junge sollte später als " Tut-Ench-Amun" in die Geschichte eingehen.
Ungeklärt ist bis heute, in wie weit Echnatons Regentschaft von Nofretete beeinflusst wurde. Unbestritten ist, dass Nofretete ihren Mann in politischen Dingen unterstützte und eine große Macht besaß. Einige Ägyptologen gehen sogar soweit, dass sie »Nofretete« als Mitregentin betrachten und ihr einen Pharaonenstatus einräumen. Abbildungen, auf denen Nofretete eine sonst dem Pharao vorbehaltene Kopfbedeckung trägt, sollen diese These bestärken. Ungewöhnlich ist auch, dass die beiden Ehepartner auf einigen Zeichnungen gleich groß dargestellt sind. Ob dies ein weiterer Beweis der Regentschaft Nofretetes ist bleibt ungewiss, denn Echnaton ließ sich im Gegensatz zu den anderen Pharaonen sehr gerne mit seiner Familie abbilden und als Einziger Darstellungen anfertigen, die ein zärtliches, nahezu intimes Beisammensein mit seiner Frau zeigen. Der Tod Nofretetes ist bis heute ungeklärt, ihr Name taucht ab dem 14. Regierungsjahr Echnatons aus rätselhaften Gründen plötzlich nicht mehr auf.

Naturalistische Kunst oder Krankheit?

Auch die Kunstauffassung änderte sich mit der Regentschaft Echnatons. Während die Pharaonen bisher stets als siegreiche und strahlende Schönheit dargestellt wurden, fällt der realistische Stil regelrecht aus dem Rahmen und gibt der Wissenschaft Rätsel auf. Wenn wir aber davon ausgehen, Echnaton habe tatsächlich so ausgesehen, wie er sich darstellen ließ (überlanger Kiefer und Gliedmaßen, dünner Hals, Hängebauch, breite Hüften, usw.) so handelt es sich laut einiger Forscher höchstwahrscheinlich um das »Marfan-Syndrom«. Es gibt Vermutungen, dass Echnaton und seine Skulpturen auf Grund dieser Krankheit einen anderen Stil haben. Verwunderlich ist, dass die berühmte »Büste der Nofretete« bei diesem Kunststil so anmutig elegant und feminin davonkommt.

Zum ersten Mal in der ägyptischen Geschichte wird der Pharao in seinem persönlichen Umfeld im Kreise seiner Familie dargestellt. Statt wie üblich einen gutgebauten, waffenstrotzenden Kriegshelden, sehen wir einen dicklichen, liebevollen Vater und Ehemann. Immer wieder tauchen liebliche, ja fast intime Szenen auf: Sie zeigen Echnaton zärtlich beim Babysitten, spielend mit Kindern oder beim Sonnenbaden. Mal küsst er seine Frau, mal lächelt er wie Buddha. Auffällig ist, dass der "Sonderling" auch die Geschlechtsunterschiede einriss: Manche Statuen zeigen ihn ohne Penis.

Kriege hat dieser Mann nie geführt!

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