Tefnut

"Wahrheit" - "Nubische Katze"
Tefnut

»Göttin der Hitze und des Feuers«

Tefnut ist eine altägyptische Göttin, die zu den Schöpfergottheiten der Neunheit gehört. Sie symbolisiert das Feuer und wird auch "Herrin der Flammen" genannt. Ihr Hauptkultort war in Leontopolis (Löwenstadt) und - als Mitglied der Neunheit - in »Heliopolis«.

TefnutDargestellt wird Tefnut als Frau mit einem Löwenkopf, oder als Löwe. Dabei wird sie nicht als Löwin, sondern als "nubische Katze" angesehen. Sie trägt eine Sonnenscheibe auf dem Kopf, die von zwei Uräusschlangen umringt ist. Daher trägt Tefnut auch den Beinamen "Herrin der Schlangen". In den Händen hält sie das Papyrus-Zepter und den Ankh.

Wenn Tefnut aber der Zorn packt, wird sie zu einer "wilden Löwin". Ihre unbändige Kampfeslust entlädt sich als Uräusschlange, welche die Sonnenscheibe am Kopf von Ra umwindet und zugleich als das Sonnenauge wirkt.
Im Mythos vom Sonnenauge (Auge des Ra) zeigen sich die unterschiedlichen Seiten der "gefährlichen Göttin", die zunächst als friedliche Katze auftritt, sich nach einem Wutanfall in eine Löwin verwandelt und schließlich mit Tanzaufführungen und Musik besänftigt werden muss. Diese zweiseitige Wesensart wird so beschrieben: "Als »Sachmet« ist sie zornig, als »Bastet« fröhlich. Sachmet, die wilde wütende Löwin, und Bastet, die verspielte sanftmütige Katze, sind beide in Tefnut vereint."

Zusammen mit ihrem Bruder und Gemahl »Schu«, war sie die erste, die aus dem Körper des Schöpfergottes »Atum« hervorgegangen ist. Überall, wo Tefnut erwähnt wird, geschieht dies stets zusammen mit Schu. Sie sind das erste göttliche Paar der Neunheit, welche durch geschlechtliche Vereinigung Kinder zeugten: »Geb« und »Nut«. Somit entstand die "Zweiheit" und "Zweigeschlechtlichkeit". Geb und Nut - Geschwister wie ihre Eltern - verbanden sich ebenfalls miteinander und zeugten »Osiris«, »Seth«, »Isis« und »Nephthys«.

Da ihr Vater mit »Ra« (Re) zu Atum-Ra bzw. Atum-Re verschmolz, wurden Schu und Tefnut zu Kindern des Sonnengottes und Urschöpfers. Beide fahren auf der »Sonnenbarke« mit und stehen ihm rechts und links schützend zur Seite. Im Papyrus ist zu lesen: "Wenn Ra den Himmel jeden Morgen durchfährt, dann ruht Tefnut als Uräusschlange auf seinem Haupt und sendet ihren Feuerhauch gegen alle Feinde".

Tefnut und die Feuchtigkeit

Inzwischen sind sich die Ägyptologen einig, dass Tefnut nicht die Feuchtigkeit, sondern das Feuer symbolisiert. Ihre Zuordnung zu Wasser und Feuchtigkeit ist also veraltet. Doch wie konnte es soweit kommen und warum hält sich das Gerücht so hartnäckig?

Tefnut als "Herrin der Flammen" verbrannte alle Feinde mit ihren Feuerstrahlen. Das Wasser diente dazu, ihre Wildheit zu bändigen. So findet man in ihr gleich zwei Elemente vereint: Feuer und Wasser. Beide haben in ihrer Anwendung reinigende Wirkung. Daher wird Tefnut oft als "Göttin der Feuchtigkeit" bezeichnet.

Ihr Bruder und Gemahl »Schu« symbolisiert die Luft. Da beim nächsten Geschwisterpaar Geb und Nut die Zuordnung zu Erde und Himmel besteht, wurde Tefnut - als Gegenpol zur Luft - das Wasser bzw. die Feuchtigkeit zugeschrieben.

Eine andere Theorie besagt, dass die beiden Schlangen auf ihrem Kopf (Hydra = schlangenköpfiges Ungeheuer), fälschlicherweise als Hydro (Wasser, Feuchtigkeit) übersetzt wurden. Aus "Herrin der Schlangen" wurde so "Herrin der Feuchtigkeit".

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