Hieroglyphen lesen

Hieroglyphen

Wir versuchen uns an 2 netten Beispielen. Allerdings sollte uns bewusst sein, dass es ein paar kleine Hindernisse gibt:

Problem 1: Tote Sprache (absolut niemand weiß, wie diese Sprache einst klang)
Problem 2: über 7000 Zeichen, aber keine Vokale in unserem Sinne (Selbstlaute wie wir sie kennen)
Problem 3: Leserichtung (von links nach rechts oder von rechts nach links, oder von oben nach unten)
Problem 4: Es gibt Lautzeichen (Phonogramm) - sprich Buchstaben z.B. der Löwe für ein "L"
Problem 5: Es gibt Deutzeichen (Determinativ) - sie dienen allein dazu, die nähere Bedeutung anzugeben
Problem 6: Es gibt Symbolzeichen (Ideogramm) - die exakt das bedeuten, was sie darstellen z.B. die Sonne
Problem 7: Ästhetik: die Zeichen konnten variieren, wenn dies ein schöneres Bild ergab
Problem 8: Keine Interpunktion - keine Satzzeichen (kein Punkt, kein Komma, Leerzeichen, gar nichts)
Problem 9: Die Schreiber interpretierten die Schriftzeichen nicht immer gleich und in der selben Weise (keine Regeln, keine Norm)
...und dies sind nur einige der kleinen Hindernisse!

Kleine Entwarnung zu Problem 3: Die Schrift-/Leserichtung ist (wenn man es weiß) recht einfach zu ermitteln: Die Zeichen sind immer dem Textanfang zugewandt. Dies ist z.B. leicht an Tierköpfen ersichtlich.

Hier erstmal ein einfaches Beispiel: Es handelt sich um Lautzeichen aus unserem »Hieroglyphen-Alphabet«. Versuche es zu lesen!

Leserichtung:
Der Löwe und die Hornviper schauen nach links zum Textanfang. Die Zeichen werden also von links nach rechts gelesen.
Würde der Löwe und die Hornviper nach rechts schauen, dann sähe es etwa so aus und man müsste von rechts nach links lesen:

Beispiel


Nun wird es etwas komplizierter!

Dieses Beispiel stammt aus der GEO-Epoche (Quellenangabe am Ende dieser Seite)
Hier sind Lautzeichen, Deutzeichen und Symbolzeichen untergebracht. Wer kann sie deuten und lesen?
Tipp: Es ist ein Satz, bestehend aus vier Wörtern.

Hiero-lesen

Der Satz beginnt – entsprechend der Blickrichtung der Vögel – links. Wir lesen also von links nach rechts.
Um diesen Satz einfacher zu lesen und die Zeichen besser zu deuten, teilen wir ihn in seine 4 Wörter und Wortsilben auf.

Hiero-lesen 1Die ersten drei Symbole des ersten Wortes sind Einkonsonantenzeichen. Das "Wachtelküken" steht für "W" oder "U", das "Bein" für "B" und "Wasser" für "N". Sie werden von links nach rechts als die Lautzeichen "U", "B" und "N" gelesen und "uben" ausgesprochen. Die vierte Hieroglyphe in diesem Wort ist ein Deutzeichen und dient allein dazu, die nähere Bedeutung anzugeben. Hier zeigt es die strahlende Sonne und kennzeichnet damit den Begriff "uben" als die Vokabel für "scheinen".
(Deutzeichen geben identischen Zeichenfolgen unterschiedliche Bedeutungen. So steht die Kombination aus einem liegenden Hasen über einer Wasserlinie mit zwei gehenden Beinen am Ende für das Wort "eilen". Mit der Strahlensonne als Deutzeichen kann "Hase über Wasserlinie" dagegen "Licht" heißen.)
Wer das jetzt nicht verstanden hat, ist nicht allein!
Hiero-lesen 2Das zweite Wort besteht nur aus einem Symbol, der Sonnenscheibe. Als Wortzeichen benennt diese Hieroglyphe exakt das, was sie darstellt; die Sonne, und hat den Lautwert "RA". Um Wort und Lautzeichen voneinander zu unterscheiden, wird dem Wortzeichen ein kleiner senkrechter Strich beigestellt.
Hiero-lesen 3Drittes Wort: Die Eule wird wiederum als Lautzeichen gelesen; ihr Symbol steht für den Konsonanten "M" und gibt hier die Präposition "am" wieder.
Hiero-lesen 4Das letzte Wort beginnt in der oberen Hälfte mit einem Hocker und dem Brotlaib als die beiden Lautzeichen "P" und "T". Darunter steht das Deutzeichen zur näheren Bestimmung des Begriffes "pet". Da es das Himmelsgewölbe darstellt, hat dieses Wort die Bedeutung "Himmel".
(Das habe ich, ehrlich gesagt, auch wieder nicht verstanden.)


Zusammengesetzt ergibt das die Worte: "SCHEINEN - SONNE - AM - HIMMEL" oder der Satz in gutem deutsch: "Die Sonne scheint am Himmel".

Gut, für mich steht da unwissenderweise und einem Hauch von Ahnungslosigkeit immer noch: UB(E)N - RA - M - PET

Wie zwischendurch schon angemerkt: Ich habe es nicht wirklich verstanden. Aber dieses Beispiel zeigt, wie komplex die Hieroglyphenschrift ist. Kein Wunder also, dass es Jahrhunderte gebraucht hat, um Hieroglyphen entziffern zu können. Wenn man 1799 den »Stein von Rosette« nicht gefunden hätte, würden wir wahrscheinlich heute noch vor einem unlösbaren Rätsel sitzen.

Quelle des Beispiels:
Ausgabe der GEO-Epoche Kollektion: "Das Reich der Pharaonen"
Artikel: "Das Alphabet der Ägypter und wie es zu lesen ist"

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